Veranstaltungsprogramm 2013
25.07.2012 – 28.07.2012Trilaterale Forschungskonferenz
Grenzlose Moderne: Gemeinschaft der Staaten – Symbiose der Kulturen – Begegnung der Künste im Tagebuchwerk von Harry Graf Kessler
Koordination: Dr. Roland Kamzelak, Marbach; Prof. Alexandre Kostka, Strasbourg; Prof. Dr. Ulrich Ott, Öhningen; Prof. Luca Renzi, Urbino
Im Zentrum des zweiten trinationalen Forschungsateliers zum Tagebuch von Harry Graf Kessler stand seine Beziehung zu den Bildenden Künsten.
Harry Graf Kessler (1868-1937) war ein bedeutender Sammler moderner Kunst und ein Vermittler zwischen den drei wichtigsten kulturellen Zentren Europas: Paris, Berlin und London. Frühzeitig angezogen von Malerei, setzte ihn die Mitwirkung an der Kunstzeitschrift PAN (1895-1900) in lebendigen Kontakt mit den Künstlern seiner Zeit: unter anderem mit Max Klinger, Auguste Rodin, den Kreis um den neo-impressionistischen Maler Paul Signac, den belgischen Designer Henry van de Velde. Später folgten Aristide Maillol und Maurice Denis. Wie entstand eine Sammlung, die maßgebliche Werke von Seurat, Signac, Van Gogh, Maillol, Rodin umfasste? Auch die englische Malerei und Buchkunst, und insbesondere die Arts-and-Crafts Bewegung, wurden von ihm aufmerksam verfolgt. Zu einem Zeitpunkt, als Berlin zu einer der wichtigsten Stätten der europäischen Avantgarde avancierte, konnte er eine bedeutende Rolle innerhalb der europäischen Sezessionsbewegung spielen. Die Berliner Secession um Max Liebermann fand in ihm einen engagierten Verteidiger, der wesentlich dazu beitrug, die deutsche Kunstszene mit Paris in lebendigen Austausch zu bringen. Seine vielfältigen Verbindungen lenkten den Blick des Weimarer Hofes auf ihn. Nachdem es Kessler gelungen war, seinen belgischen Protégé van de Velde als Leiter der dortigen kunstgewerblichen Hochschule zu etablieren, wurde er selbst 1903 zum Direktor des Großherzoglichen Museums für Kunst und Kunstgewerbe verpflichtet. Unter seiner Leitung wurde Weimar eines der Zentren der europäischen Avantgarde und Gründungsort des Deutschen Künstlerbundes, welcher als Sammelbecken für die Feinde der Kaiserlichen Kunstauffassung galt – sehr zum Missfallen konservativer Kreise vor Ort und in Berlin, die ihn nach nur drei Jahren zur Demission zwangen. Auch nach 1906 spielte Kessler eine wichtige Rolle als Mäzen und Vermittler, die bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg anhielt. Erst sein Engagement als liberaler Politiker in der Weimarer Republik sowie finanzielle Schwierigkeiten ließen die Sammlertätigkeit in den Hintergrund treten.
Die Beiträge der Tagung gingen in vielfältigen Ansätzen den Gestaltungsmöglichkeiten nach, die Kessler in seiner Rolle als kosmopolitischer Mäzen, Vermittler, Autor und Museumsdirektor besaß. Welche Netzwerke konnte Kessler ansprechen? Welche Rolle spielte der Dialog der Künste in seiner Ästhetik? Mit welchen politischen und kulturellen Zwängen musste er sich auseinander setzen? Nach welchen Mustern wurden die Erfahrungen in der Kunstszene im Tagebuch literarisch umgesetzt?
 


