Veranstaltungsprogramm 2013

15.11.2009 – 18.11.2009Wissenschaftliche Tagung
Italienischer und deutscher Adel im langen 19. Jahrhundert. Hochkultur als Herrschaftselement
Koordination: Prof. Dr. Gabriele B. Clemens, Saarbrücken; Prof. Dr. Marco Meriggi, Napoli


Auf der Tagung „Italienischer und deutscher Adel im langen 19. Jahrhundert. Hochkultur als Herrschaftselement“ (16.11.-17.11.2009) unter Leitung von Gabriele Clemens (Saarbrücken) und Marco Meriggi (Neapel) diskutierten ausgewiesene Experten über den Stand und die Zukunft der Adelsforschung dies- und jenseits der Alpen. Die Tagung zur politischen Kulturgeschichte und symbolischen Praktiken beider Adelslandschaften betrat in vergleichender Perspektive völliges Neuland. Forschungsgeschichtlich war eine deutliche Phasenverschiebung zu beobachten.

Während in Italien zu diesem Thema bereits in den 1980er und 1990er Jahren zahlreiche Publikationen erschienen, konnte sich die deutsche Geschichtsschreibung erst rund fünfzehn Jahre später von der einseitig dominierenden Bürgertumsforschung lösen. Diskutiert wurden in anregender Atmosphäre über kulturel­le Verhaltensmuster, adligen Lebensstil und Hochkultur sowie über seit Jahrhunderten tradierte ethische Verhaltensnormen und Denkweisen, wobei hier insgesamt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede vorherrschten. Thematisiert wurden fruchtbare Kontroversen zu adligen Traditionen im Europa des 19. Jahrhunderts, die große Leistungsbereitschaft gemäß spezifischer Normen wie Caritas, Religiosität, kriegerischem Mut bewahrten, wobei sich sowohl italienische als auch deutsche Adelsgruppen durch ein prestigeträchtiges Mäzenatentum auszeichneten.

Diskutiert wurde ferner über den armen Adel, der diese Traditionen nicht mehr aufrechterhalten konnte und damit das Ansehen des Adels insgesamt bedrohte. Deutlich wurde für beiden Länder, dass einerseits regionale Traditionen noch lange nationale Orientierungen überlagerten, dass andererseits aber gerade der Hochadel in einem europäischen Raum agierte.

Zahlreiche kulturelle und persönliche Kontakte prägten die deutsch-italienischen Beziehungen. Während sich deutsche Forscher mehrheitlich immer noch schwer tun, Eliten nicht getrennt nach Adel und Bürgertum zu untersuchen, operierten italienische Kollegen erfolgreicher mit dem Modell einer Notabelngesellschaft. Als weiterführende Diskussionspunkte wurde angeregt, sich zu fragen, ob man das 19. Jahrhundert schlicht als bürgerliches etikettieren kann, Adlige als auch als liberale Politiker zu erforschen, ihn als Unternehmer zu fokussieren, regional zu differenzieren und vor allem den Adel als Meister der Sichtbarkeit mediengeschichtlich und kulturwissenschaftlich zu interpretieren.  
 
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