Veranstaltungen 2010

18.03.2010 – 21.03.2010Geistes- und Sozialwissenschaften
Privatgelehrtentum zwischen „freier“ Forschung und „diszplinierter“ Wissenschaft
Koordination: Prof. Dr. Martin Baumeister, München in Zusammenarbeit mit Dr. Lutz Klinkhammer und Prof. Dr. Michael Matheus, Deutsches Historisches Institut, Roma


Kurzbericht

Ziel der Tagung war es, die Grenzen der klassischen, stark auf die Institution der Universität ausgerichteten Wissenschaftsgeschichte zu überschreiten und Formen und Repräsentanten außeruniversitärer Wissenschaft und gelehrter Lebensführung systematisch und anhand konkreter Fallbeispiele zu untersuchen.

Als unabdingbar für das Vorhaben, die Figur des Privatgelehrten zu einer heuristischen Größe auszuformen, erwies sich eine klare begriffsgeschichtliche Differenzierung und Abgrenzung gegenüber anderen Bezeichnungen "undisziplinierter" Wissensproduktion sowie die differenzierte Ausleuchtung konkreter gesellschaftlicher und politischer Bedingungen gelehrter Existenz. Die Diskussionen zeigten überdies, wie wichtig es ist, eine klare Dichotomie von institutioneller und nicht institutionell gebundener Wissenschaft zu vermeiden. Diese wird zum einen nicht der Vielfalt der wissenschaftlichen Existenzen sowie der fließenden Übergänge und Wechselwirkungen zwischen beiden Bereichen gerecht; zum anderen besteht die Gefahr, private Gelehrsamkeit normativ an die universitäre Wissenschaft zu binden.

Als weiterführend erwiesen sich in der Diskussion daher Ansätze, die prinzipiell von der Verortung privater Gelehrsamkeit im Feld der Wissenschaft ausgehen. Nicht zünftiger Wissenschaft resp. Wissenschaftlern wurde für den behandelten Zeitraum vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre eine hohe Bedeutung zugesprochen. Ihre Untersuchung, so der Konsens der Tagungsteilnehmer, eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, Probleme der Geschichte von Wissenskultur und Wissenschaft wie etwa Fragen nach Disziplinentwicklung und Innovation, nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie nach der Stellung, Funktion und Geltung von Wissenschaft in der Gesellschaft aus neuen Blickwinkeln zu formulieren.
 
Zurück