Veranstaltungen 2010

19.09.2010 – 22.09.2010Vigoni-Gespräch
VIGONI-GESPRPÄCH ZUM FILM: Pasolini
Koordination: Villa Vigoni in Zusammenarbeit mit Wolfgang Storch, Volterra; Prof. Gianni Rondolino, Torino






Im Zentrum dieses Vigoni-Gesprächs steht die transgressive Rolle, die Pasolini gegenüber der Gesellschaft eingenommen hatte. Eine Transgression, die er auf allen Ebenen austrug: auf der ideologischen als ungehorsamer Marxist gegenüber den Dogmen der Kommunistischen Partei Italiens; auf der gesellschaftlichen als unermüdlicher Opponent gegen die nicht hinterfragte Herrschaft des Konsums und als erklärter und sich nicht zurückhaltender Homosexueller; auf der ästhetischen als Urheber kühner stilistischer Kontaminationen.

Das Verhältnis zwischen einem „skandalösen“ Künstler wie Pasolini und der Gesellschaft, nicht nur in deren reaktionärsten und konservativsten Teilen, sondern auch in ihren progressiven Bereichen oder denen, die als solche erschienen, war sehr komplex. Es wird oft unterschätzt, dass Pasolini, der von den Massenmedien heftig angegriffen und von ihnen, auch das ist wahr, „benutzt“ wurde, ein sehr erfolgreicher Künstler war, der seinerseits die Medien „benutzte“ und sie für seine eigenen expressiven Ansprüche ummünzte, es jedenfalls versuchte. Auch kann sein Weg als permanenter, strategisch präzis geführter Konfront mit der Kulturindustrie verstanden werden.

Eine der vier Sektionen des Vigoni-Gesprächs widmet sich der wesentlichen Dimension der Körperlichkeit in Pasolinis expressiver Praxis und seinem künstlerischen Experimentieren, wie er es in den verschiedensten Bereichen erprobt hat. Gefragt wird auch nach der Präsenz und nach dem Weiterwirken seines Werkes heute, und das auch in Hinblick auf eine Analyse der politischen, sozialen und ästhetischen Realität der Gegenwart. 

Eine weitere Sektion betrachtet die intellektuelle und künstlerische Persönlichkeit Pasolinis in ihrer Beziehung zur deutschen Kultur und Gesellschaft, in Gegenüberstellung mit einigen der bedeutendsten Künstler und Intellektuellen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Joseph Beuys (1921-1986), Heiner Müller (1929-1995) und Rainer Werner Fassbinder (1945-1982).

In den Sektionen und den Abendveranstaltungen kommen Schriftsteller und Dramatiker, Regisseure, Künstler, Schauspieler und Wissenschaftler zu Wort.
 
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